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Prora – Eine Spurensuche: Vom unvollendeten KdF-Seebad über den NVA-Standort bis zur touristischen Vermarktung

Bildungsurlaub auf der Insel Rügen

Bei allem Für und Wider in seiner Entwicklung – heute gibt es kaum einen anderen Ort im Land, an dem die Geschichte zweier Diktaturen in Deutschland so gut erzählt werden kann, ohne die Gegenwart und die Zukunft aus dem Blick zu verlieren. Wir laden ein, diese Geschichte und die Geschichten von Menschen mit diesem Ort zu entdecken.

„Der Koloß von Prora“ gehört zu den imposantesten historischen Gebäuden in Deutschland. Touristisch wird der heute noch aus fünf jeweils 900 Meter langen und vielen weiteren Gebäuden bestehende Gesamtkomplex als „Ehemaliges KdF-Seebad“ vermarktet. Was (zumindest in den Ländern der alten Bundesrepublik) kaum bekannt ist: Diese geplante gewaltige „Urlaubsmaschine“ der Nationalsozialisten ist als solche niemals genutzt worden. Mit Beginn des 2. Weltkrieges endeten die Arbeiten an den Rohbauten. Teile des Geländes wurden während des Krieges notdürftig ausgebaut und auf verschiedene Weise genutzt. Der ursprünglich geplante Gesamtkomplex ist jedoch nie vollendet worden – wesentliche Teile sind nur in den Planungen enthalten.

Die eigentliche Nutzung begann erst nach 1945. In der DDR wurde Prora zu einem der größten Militärstandorte des Landes ausgebaut und verschwand als militärisches Sperrgebiet damit zugleich von den offiziellen Landkarten. Die Nationale Volksarmee richtete verschiedene Standorte für wechselnde Militäreinheiten und vor allem auch Ausbildungseinrichtungen ein. So befand sich in den 1980er Jahren eine Offiziershochschule für militärische Führungskräfte aus damals mit dem Sozialismus befreundeten sogenannten Entwicklungsländern in einem der Blöcke. In einem anderen wurde in den 1980er Jahren die zeitweise größte Baueinheit der DDR eingerichtet. Mehrere Tausend Bausoldaten (Waffendienstverweigerer) mussten hier ihren Grundwehrdienst in der Armee (der sie sich eigentlich verweigern wollten) unter harten militärischen Bedingungen ableisten.

Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten verließ die Bundeswehr Anfang der 1990er Jahre das Gelände. Jahrzehnte verfielen die unter Denkmalschutz gestellten Gebäude langsam vor sich hin. 2011 wurde im nördlichen Teil ein erster Teil saniert und als längste Jugendherberge Deutschlands eröffnet. Dies wirkte auch als „Sanierungsimpuls“: Seitdem wird Block für Block aufwändig (unter Denkmalschutzaspekten durchaus fragwürdiger Umsetzung) saniert und einer touristischen (für die Region nicht unproblematischen) Vermarktung zugeführt.

Wir werden fünf Tage im schönen Seminarhaus „Victoria“ in Sellin zu Gast sein. Von dort werden wir uns auf verschiedenen Wegen der spannenden Geschichte Proras annähern. In zwei Exkursionen können der Gebäudekomplex von außen (wo möglich auch von innen) sowie zwei Ausstellungen besichtigt werden. Diese Erkundungen sind eingebettet in einen deutsch-deutschen Dialog über die (zeitweise geteilte) deutsche Geschichte und die Zukunft der Demokratie in unserem Land.

Im Bildungsurlaub werden Sie etwas erfahren und erleben über:
– Baugeschichte und geplante Nutzung des „Koloß von Prora“
– Nutzungsgeschichte durch die Nationale Volksarmee der DDR
– Geschichte der Waffendienstverweigerung in der DDR
– Umgang mit einem herausfordernden historischen Erbe heute
– Deutsch-deutschen Dialog zwischen Jahrestag der Deutschen Einheit und früherem „DDR-Geburtstag“
– Aufenthalt in einem der beliebtesten Urlaubsgebiete in Deutschland

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2.–7.10.2022, So., 19:00 – Fr., 15:00 Uhr; 495,00 € zzgl. U + V zwischen 477,00 € (EZ in Doppelwohnung) und 552,00 € (Einzelwohnung)

LEITUNG: Stephan Schack
ORT: Seminarhaus Victoria, Sellin, Insel Rügen

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